"Ubi morbus, ibi remedium." Dort wo die Krankheit entsteht, wächst (finden wir) auch das Gegenmittel.
Rheuma ist eine der ältesten Erkrankungen überhaupt. Der Begriff beschreibt den "fließenden Schmerz". Wir finden ihn im lateinischen Wort Rheos = Fließen und auch im grichischen pantha rei (πάντα ῥεῖ) = „Alles fließt.".
Rheuma beschreibt je nach Interpretation zwischen 200 und 450 unterschiedliche Krankheitsbilder - wir sprechen deshalb auch vom Rheumatischen Formenkreis.
All diesen Erkrankungen gemeinsam sind die mit Schmerzen einhergehenden Funktionsminderungen am Bewegungsapparat, also an Muskeln, Knochen, Sehnen und Gelenken. Die klassischen rheumatischen Beschwerden können entzündlicher, nichtentzündlicher oder degenerativer Natur sein. Typisch für rheumatische Beschwerden ist der schubförmige Verlauf - die Beschwerden zeigen sich an unterschiedlichen Stellen, wiederholen sich und wandern (fließen). Es gibt im Krankheitsverlauf durchaus Ruhephasen , in denen sich die Betroffenen frei von Schmerzen und relativ wohler fühlen.
Bei der entzündlichen Form zeigen sich in der akuten Phase (dem Schub) Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerzen und damit verbundener Funktionsverlust. Jedoch können die Symptome auch völlig untypisch sein, was die Diagnose nicht gerade erleichtert. Das tückische am Rheuma ist, dass es auch außerhalb der oben genannten Strukturen auftreten kann. Wir sprechen dann von sog. extraartikulären Manifestationen. Oftmals werden die Beschwerden dann organspezifisch zugeordnet und behandelt, was zur Verzögerung der Diagnose führt.
Um einen besseren Überblick zu gewinnen werden die rheumatischen Krankheitsbilder in drei Hauptgruppen unterteilt: (Es gibt hier auch andere Einteilungen)
1. Entzündliche Erkr.: - primär chronische Polyarthritis
- infektiöse und postinfektiöse Arthritis
- Morbus Bechterev
- Kollagenosen (Bsp.: Sklerodermie), Vaskulitiden (Bsp.: Panarteriitis nodosa, Arteriitis temporalis)
- juvenile oder jugendliche Arth.
- und die Sonderform der Psoriasis
2. Degenerative Erkr.: - Arthrose beschreibt den mit Abnutzungserscheinungen an den Gelnkknorpeln einhergehenden Prozess.
Betroffen sind nicht nur ältere Menschen. Wenn es zu einem Missverhältniss zwischen genetisch vorgegebener Belastbarkeit und tatsächlicher Belastung kommt, kann dieser Prozess auch schon bei jüngeren Menschen (Bsp: Kletterer, Handwerker) stattfinden. Aus der Arthrose entwickelt sich dann im späteren Verlauf meist auch eine Entzündung , also eine Arthritis. Durch die Abnutzung des Knorpelgewebes kommt es zu einer (fehlgeleiteten) Aktivierung des Immunsystems mit Bildung von speziellen Komplexen, die den Entzündungsprozess ihrerseits wiederum verstärken.
3. Weichteilrheumatismus: - beschreibt alle Krankheitsbilder, die an der Muskulatur und den Sehnen ablaufen.
Dazu gehören u. a. Tendinopathien (krankhafte Veränderungen an den Sehnen) und die Myositis (Muskelentzündung). Eine sehr spezielle Form des Weichteilrh. stellt die Fibromyalgie dar.
Fibromyalgie ist als Erkrankung zu recht zweifelhafter Berühmtheit gelangt.
Die Beschwerden der Betroffenen werden oftmals nicht ernst genommen und zum Teil ins Lächerliche gezogen. Trotz der diagnostischen Schwierigkeiten gibt es genügend Hinweise und Möglichkeiten die FM oder FMS (Fibromyalgiesyndrom) zu erkennen und auch adäquat zu behandeln.Fibromyalgie ist keine psychosomatische Erkrankung, vielmehr wurde nachgewiesen, dass unter anderem der Serotoninstoffwechsel verändert ist und der Muskulatur nur verringert zur Verfügung steht.
Diagnostik:
Klinik: artikulär - Schmerzen an Gelenken und Knochen, Rötung, Schwellung, Überwärmung, Funktionsverlust
extraartikulär - können sich im Prinzip an allen Organen abspielen. Wichtig ist hierbei auf nicht sonst zu erklärende Herzschmerzen mit typ. Verlängerung der PQ-Strecke zu achten. Weiterhin finden sich direkt unter der Haut liegende Knoten (bes. im Bereich der Wadenmuskulatur). Rötungen der Haut, ebenso wie besondere Veränderungen (sog.: Psoriasis) können einen Hinweis auf Rheuma sein. Wie oben schon erwähnt, gibt es eine kaum zu überschauende Vielzahl von unterschiedlichen Symptomen . . .
Labor: BSG, CRP, Rheumafaktoren, ANA, HLA-B-27, Granulozyten-Cytoplasma-Antikörper, Antistreptolysin O =ASL
Therapie: Die Behandlung richtet sich wie bei allen Erkrankungen nach den Ursachen und reicht von der optimalen medikamentösen Einstellung über spezielle Wärme- und Kälteanwendungen bis hin zu invasiven Verfahren. Steht die Diagnose Rheuma erst einmal fest ist, unabhängig von der jeweiligen Manifestation, eine angemessene Bewegungstherapie der Baustein für eine erfolgreiche Behandlung.
Nur das optimale Zusammenwirken aller Verfahren (physikalisch, medikamentös, bewegungstherapeutisch) wird die Erkrankung unter Kontrolle halten und den Betroffenen wirkungsvoll helfen.
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